Pastavariationen

Pasta mit Gabeln

Der Artikel “Pasti oder Antipasti” auf katholisch.de hat sehr viel (negative) Reaktionen hervorgerufen. Der Grund dafür liegt darin, dass mein Kommilitone Kirche nur als Organisation sieht. Diese Kritik ist richtig. Auf der anderen Seite sehen viele Kritiker die Kirche wiederum nur als societas perfecta, als Ursakrament. Der eine betont zu sehr das Horizontale, andere nur das Vertikale.

Die Kirche ist beides: Sakral und organisatorisch

Beides muss gemeinsam gesehen werden. Es kann nicht angehen, dass es in Rerum Novarum heißt, dass ein Lohn so gestaltet sein muss, dass kulturelle Teilhabe am Gesellschaftsleben möglich ist, aber man als Kirche selbst prekäre Beschäftigungssituationen schafft – in einer reichen Kirche wie Deutschland. Das sei nur ein Beispiel. Oder das Arbeitsschutzgesetze einfach mal ignoriert und übersehen werden (das ist dann Raubbau auf einer ganz anderen Ebene. Ohne das da der Arbeitgeber immer Schuld ist: man vergisst es manchmal einfach auch selbst.) Ja, Kirche ist nicht eine Arbeit wie jede andere, und bedeutet, so einiges opfern zu müssen. Was den Rest das Privatleben betrifft – es gibt Arbeitgeber, die sind wesentlich übergriffiger. Etwas Recherche hilft da schon. Und ich habe es noch nicht erlebt, dass es Hausbesuche gab – oder ähnliches. Es gilt, hier selbst das zu Leben, wie es einem Christen entspricht. Wenn du Coca-Cola-Promoter bist, aber während der Arbeit Pepsi trinkst, dann darfst du gehen. Und das völlig zu Recht. Diese Dinge lösen in mir keinen Frust aus. Was mich eher frustriert ist das, was ich als das “begeisterte Engagement am Niedergang (BEAN)” beschreiben möchte. Das ist nichts, was ich irgendwem vorwerfe. Die Menschen machen ihren Job, und den mit Freude, Herz und einer extrem hohen Kompetenz. Und Schuld ist gar nicht erst die Kategorie, an die ich in dieser Situation denke.

Der Frust mit BEAN

Was meine ich mit BEAN? Ich möchte ein Beispiel aus meiner Arbeit aufgreifen. Am 19.03. war österreichweit Pfarrgemeinderatswahl. Ich war Teil eines extrem motivierten Teams, dass die Vorbereitungen geleitet und die Öffentlichkeitsarbeit übernommen hat. Mit einem echt großen Budget und vielen wirklich tollen Ideen. Wir waren sogar mit einem Spot im Fernsehen. Ich habe die social-media-Arbeit übernommen. Und alles sah echt gut aus. Meine Social-Media Daten waren super, und ichhabe fest damit gerechnet, dass wir eine gute Wahlbeteiligung hinkriegen werden. Es wurde ein extrem niedriger zweistelliger Prozentsatz für die Erzdiözese Salzburg – ganz genaue Zahlen kann man gar nicht nennen, weil es auch organisatorische Schwierigkeiten gab. Ich kenne Leute, die finden, PGRs ist nur ein Funtkionärsjob für Laien, damit “die sich auch mal wichtig finden können”, oder ähnliches. Der Meinung bin ich nicht: bei einer solchen Wahl kann man schon mitbestimmen, welches Gesicht die Kirche haben soll, und jede nicht abgegebene Stimme ist eine vertane Chance.

Ich hatte zwei learnings aus dieser Geschichte: 1. Ich kann mit jedem Wahlkampfmanager mitempfinden. So ein Tag ist spannender als jeder Thriller.

2.  Das ist wichtiger: Der Niedergang scheint unaufhaltsam. Frustrierend ist es zu sehen, dass die Dinge die du tust entweder (worst case) keinen Effekt haben, oder (best case) keinen Nachhaltigen. Das führt dazu, dass viele Kolleginnen und Kollegen mit einem “Eventchristentum” schon zufrieden sind und ihre Programmatik eben danach ausrichten. Früher habe ich bei sowas eher die Nase gerümpft. Mittlerweile habe ich für diese Haltung mehr Verständnis. Aber eigentlich müssten wir alle geschlossen die lebensverändernde Gnadentat Gottes, die Erlösung durch Christus, hochhalten. Kirche ist mehr als ein netter kultureller Abend. eine schöne Tauffeier und ein tolles Pfarrfest. Aber wenn man schon am Limit arbeitet, dann führt eben dies zu Frust – weil man die Ergebnisse eben (wenn überhaupt) nicht sofort, sondern vielleicht erst Jahre oder gar Jahrzehnte später sieht. Und wenn man dann sowieso schon weit über Stundenlimit arbeitet, dann kann ich verstehen, dass diese Haltung auch wirklich Schutz bietet – auch der eigenen Gesundheit zu liebe.

Es sind alternative Konzepte nötig

Vor diesem Hintergrund stellt sich für mich die Frage: Will ich das? Sehen, dass immer weniger Menschen in die Kirche gehen (und nein, es ist nicht gut, wenn sie sich trotzdem engagieren. Es geht nämlich nicht um Engagement, sondern Erlösung, klassisch Seelenheil genannt), dann aber innerkirchlich mit Hürden zu tun haben? Ich meine damit noch nicht einmal andere (und manchmal auch ziemlich krude) theologische Positionen, sondern ganz oft einfach auch Bürokratie. Ich sehe, dass ich mich selbst dann oft wie Don Quichotte fühlen könnte, im Kampf gegen Windmühlen. Und das noch nicht einmal auf Grund einer feindlich gesinnten Opposition. Sondern wegen Bürokratie, Bequemlichkeit, Gewohnheitsdenken und falsch verstandenem Brauchtum. Die Benedict Option, von der ich bisher nur am Rande gehört habe (Tobias verzeihe mir dies), scheint mir ein gutes Konzept in diesem Wirrwarr zu sein.

Aber irgendwie lande ich immer wieder dort, wo sich mein Kommilitone Pilger befindet, nämlich bei der Frage: Pasti oder Antipasti?

1 Kommentar

  1. Zu diesem Artikel würde ich gerne zwei Bemerkungen machen.

    1. “societas perfecta” und Ursakrament sind zwei verschiedene paar Stiefel. Der Begriff “societas perfecta” bezeichnet an und für sich nichts Übernatürliches, sondern ist ein technischer Ausdruck dafür, daß die Kirche jene innere Vollständigkeit und Selbstgenügsamkeit hat, wie sie Staaten haben, daß sie also den weltlichen Staaten (“immerhin”) nicht nachsteht; die Kirche ist das unter anderem, aber wäre sie nur das, wäre sie noch relativ wenig.

    >>Ich kenne Leute, die finden, PGRs ist nur ein Funktionärsjob für Laien, damit „die sich auch mal wichtig finden können“, oder ähnliches. Der Meinung bin ich nicht: bei einer solchen Wahl kann man schon mitbestimmen, welches Gesicht die Kirche haben soll, und jede nicht abgegebene Stimme ist eine vertane Chance.

    Ich halte das Amt des Pfarrgemeinderates nicht für einen nur dem Selbstgefühl dienenden Funktionärsjob für Laien (und wenn es das bei manchen unter anderen *auch* ist, ist das *auch* nicht so schlimm, irgendwo müssen die Leute ihr Selbstgefühl ja herbekommen, aber das ist eine andere Geschichte…). Aber wenn man *als Pfarrgemeinderat* in gewissen (seien wir ehrlich: engen) Grenzen ein bißchen mitbestimmen kann, welches Gesicht die Kirche haben soll, dann heißt das noch lange nicht, daß man das auch als *Pfarrgemeinderatswähler* kann; es stehen in der Regel keine Richtungsentscheidungen zur Debatte, es wird folgerichtig auch kein Wahlkampf (außer eingeschränkt, bzw. bei Ihnen sehr ausgiebig, dem Kampf darum, daß die Leute überhaupt wählen) geführt, und in der Regel sieht das so aus, daß für zehn zu wählende und fünf nachzuberufende Pfarrgemeinderäte wenn es hochkommt zwanzig Kandidaten gibt. Ich habe natürlich immer gewählt, aber es gehört auch zum Gesamtbild: eine ähnliche Situation ist bei den Sozialversicherungen der Anlaß, die Wahl gar nicht erst tatsächlich vorzunehmen, sondern nur als Friedenswahl für stattgefunden zu erklären.

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